Digitale Mitbestimmung: HRflows & BRbase als Plattform für die Betriebspartnerschaft
Die Digitalisierung der betrieblichen Mitbestimmung gewinnt weiter an Fahrt – und clarait, das Legal-Tech-Unternehmen hinter BRbase und dem neuen HRflows, positioniert sich als zentraler Treiber dieser Transformation. Im Interview mit ZAU sprach Co-Geschäftsführer von clarait Thilo Haase über die Erweiterung zur Mitbestimmungsplattform, die Finanzierungsrunde mit dem sächsischen Wachstumsfonds und die aktuelle Aufbruchstimmung im Markt.
Von der Betriebsratssoftware zur Mitbestimmungsplattform
Mit HRflows hat clarait das Produktportfolio konsequent erweitert: Nachdem BRbase die Gremienarbeit auf Betriebsratsseite bereits digitalisiert hatte, schließt HRflows nun die Lücke auf Arbeitgeberseite. Gemeinsam bilden beide Tools eine durchgängige Plattform für digitale Mitbestimmungsprozesse. Haase erklärt das Grundproblem: „Pro Mitarbeiter fällt im Unternehmen im Schnitt eine mitbestimmungspflichtige Personalmaßnahme pro Kalenderjahr an.“ Und weiter: „In größeren Unternehmen sprechen wir damit von 100 bis 200 Vorgängen pro Woche.“ Dieser Massenvorgang laufe bislang weitgehend manuell, über Medienbrüche hinweg und mit erheblichem bürokratischem Aufwand.
Schnittstelle als Schlüssel
Die größten Reibungsverluste entstehen laut Haase dort, wo Informationen zwischen Personalabteilung und Betriebsrat fließen: HR-Systeme wie Workday, SAP SuccessFactors oder Oracle auf der einen Seite, Word und Outlook auf der anderen. HRflows beseitigt genau diese Brüche: Anträge werden digital gestellt, Daten automatisch aus bestehenden HR-Systemen übernommen, Fristen nach § 99 und § 102 BetrVG getrackt und Beschlüsse in Echtzeit empfangen – ohne E-Mail-Flut, Scannen oder manuelle Archivierung.
Finanzierung und Wachstum
Anfang 2026 schloss clarait eine Finanzierungsrunde in siebenstelliger Höhe mit dem staatlichen Wachstumsfonds des Freistaates Sachsen ab. Die Investition ermöglicht schnelleres Skalieren und stärkere Individualisierung – denn die Kunden sind Großunternehmen mit mehreren tausend Beschäftigten, bei denen maßgeschneiderte Implementierungen gefragt sind. Als deutscher Anbieter setzt clarait dabei auf Hosting auf deutschen Servern und regelmäßige IT-Security- und Datenschutzprüfungen. Die Lösungen sind bereits bei DAX40-Unternehmen im Einsatz.
Wahljahr als Katalysator
Die laufenden Betriebsratswahlen 2026 entfalten eine zusätzliche Marktdynamik. Neu zusammengesetzte Gremien hinterfragen ihre Arbeitsweise und suchen nach digitalen Workflows, die unabhängig von personellen Wechseln funktionieren. Haase beobachtet: „Das Thema Digitalisierung der Betriebspartnerschaft wird aktiv aus den Unternehmen herausgetrieben – von Personalern und Betriebsräten gleichermaßen.“
Neutralität als Grundprinzip
Trotz der Komplexität beider Seiten bleibt clarait konsequent neutral: „BRbase ist nicht pro Arbeitnehmer und HRflows nicht pro Arbeitgeber – unsere Produkte sind pro Prozessqualität.“ Diese Haltung, kombiniert mit der Kooperation mit dem Bund-Verlag als offiziellem Wiederverkäufer der Betriebsratssoftware, schafft Vertrauen auf beiden Seiten der Betriebspartnerschaft.
Vision: Compliance auf Knopfdruck
Langfristig sollen HRflows & BRbase BetrVG-Prozesse so reibungslos gestalten, dass Personal, Labour Relations und Betriebsrat sich auf das konzentrieren können, worauf es wirklich ankommt: die inhaltliche Gestaltung guter Lösungen für die Mitarbeiter. Der Business Case dabei ist laut Haase klar – schnellere Prozesse, weniger Abstimmungsaufwand, höhere Rechtssicherheit und ein messbarer Return on Investment.
Das Interview führte Silvio Fricke (BVAU e.V.).